Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS und HSZG tauschen sich im DLR_School_Lab zur künftigen Stärkung des Freistaates Sachsen in Innovation und Technologie aus.
Im Frühjahr 2026 traf sich die Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG) mit dem Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS zu Gesprächen im Zittauer DLR_School_Lab. Ziel: Die Stärkung des Freistaates Sachsens in Innovation und Technologie, beispielsweise in den Quantenwissenschaften.
Und auch wenn das Feld der Quantenwissenschaft komplex ist. „Quanten“ bestimmen Forschung, Entwicklung und Innovation – und waren seit ihrer Entdeckung stets Zukunftstechnologien und auch eines der aktuellen und zukünftigen Kooperationsfelder zwischen der HSZG und den Fraunhofer-Instituten.
Ob Quantenphysik, Quantenmechanik oder Quantenwissenschaften. „Die Quantenphysik ist nicht bloß ein Schritt nach vorne, sie ist ein neuer Weg, die Wirklichkeit zu verstehen“, zitiert Regisseur Christopher Nolan in seinem oscarprämierten Film „Oppenheimer“ (2023) den dänischen Physiker und Nobelpreisgewinner Niels Bohr. Was in den 1930er Jahren galt, ist auch fast 100 Jahre später hochaktuell – regional, national und international, auch für die Forschung der Hochschule Zittau/Görlitz.
Quantenwissenschaften und Quantenanwendungen entwickeln sich rasant zu Schlüsseltechnologien für sichere Kommunikation, leistungsfähige Computer, neue Werkstoffe und hochpräzise Sensorik. Um diese Zukunftstechnologien gezielt voranzubringen und in industrielle Anwendungen zu überführen, startete beispielsweise im Dezember 2025 das Sächsische Forschungsnetzwerk für Quantentechnologien SAX-QT „Quantum Saxony“. Koordiniert wird das Netzwerk von der Hochschule Zittau/Görlitz, den Fraunhofer-Instituten für Photonische Mikrosysteme IPMS und für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU sowie dem Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung IFW Dresden. Auch das Fraunhofer ENAS konnte die HSZG als starken Partner in der Quantentechnologie für das Netzwerk gewinnen.
Die besondere Stärke des Fraunhofer-Instituts für Elektronische Nanosysteme ENAS liegt in der ganzheitlichen Entwicklung von „intelligenten Systemen“ für verschiedenartige Anwendungen. Die Forschungsaktivitäten des Instituts reichen dabei – Angaben des Fraunhofer ENAS zufolge – von der Entwicklung neuartiger Wafer- und Packaging-Technologien über die Herstellung von Elektronikkomponenten, Mikro- und Nanosensoren sowie -aktoren bis hin zur Entwicklung von Systemkonzepten und Systemintegrationstechnologien einschließlich der Schnittstellen zur Kommunikation. Mit modernsten und KI-gestützten Test- und Zuverlässigkeitsmethoden überführt das Fraunhofer ENAS die entwickelten Lösungen in die praktische Nutzung. Das Institut begleitet Kundenprojekte von der Idee über den Entwurf, die Technologieentwicklung oder Umsetzung anhand bestehender Technologien bis hin zum getesteten Prototyp.
Das Fraunhofer ENAS etabliert sich nach eigenen Angaben als wegweisender Partner in der angewandten Quantentechnologie, indem es die Lücke zwischen theoretischer Quantenphysik und industriell fertigbaren Systemlösungen schließt.
Das Fraunhofer ENAS entwickelt zusammen mit weiteren Partnern der Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland Chips für Quantencomputer und setzt dabei auf die Nutzung der Quanteneigenschaften von Ionen, die durch elektrische Felder in einer sog. Ionenfalle gefangen, darin definiert bewegt und deren Quanteneigenschaften durch logische Operationen miteinander verknüpft werden.
In der Quantenkommunikation agiert das Institut, eigenen Angaben zufolge, als Brückenbauer zwischen Spitzenforschung und Anwendung. Das Fraunhofer ENAS arbeitet hier sehr eng im Bereich Test und Verifikation von quantensicherer Kommunikation mit weltweit führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen.
Das Ziel von Quantum Saxony ist es, die Kompetenzen im Freistaat Sachsen im Bereich Quantentechnologien strategisch zu bündeln, die Fachsprache der beteiligten Partnerinnen und Partner zu übersetzen, die vorhanden Fertigkeiten weiter auszubauen und international sichtbar zu machen. Das Netzwerk Quantum Saxony versteht sich als offene Plattform, die fortlaufend weitere Partner integriert und den Austausch zwischen Forschung, Industrie und Politik intensiviert. Die sächsische Interdisziplinarität – von Materialwissenschaft über Mikro- und Nanoelektronik bis zur Softwareentwicklung – wird so gezielt in Richtung wirtschaftlicher Nutzung vorangetrieben.
„Quantum Saxony“ war eines der ausgewählten Projekte, welche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der HSZG ihren Forscherkolleginnen und -kollegen des Fraunhofer ENAS vorstellten. Als weitere aktuelle Forschungsvorhaben und Forschungszentren der HSZG wurden u.a. präsentiert und diskutiert: Das Science Center Oberlausitz (SCO-TTi) der HSZG, das Projekt EKI-Saxony (Energieautarke Kommunikations- & Informationstechnologien aus Sachsen für industrielle Anwendungen), Themen des Instituts für Prozesstechnik, Prozessautomatisierung und Messtechnik (IPM) wie RoSA-ReCycle (Robotic Sorting and Automation for Recycling oder des CircEcon (Center for Green Circular Economy) oder die HSZG-Projekte ZukLOS (Zukunftslernort Oberlausitz) oder Green Zitty mit dem Ziel einer wissenschaftlichen Landesgartenschau in der Region der Oberlausitz in den kommenden Jahren.
Was in Darwins „Struggle of the Fittest“ für die Biologie gilt, lässt sich in gewisser Weise auch auf die politische Ökonomie übertragen: Erfolg entsteht entweder im Alleingang oder, weitaus wirkungsvoller, im strategischen Verbund.
Prof. Harald Kuhn, Leiter des Fraunhofer ENAS, mahnt zur Eile: „Nur gemeinsam mit starken Partnern gelingt es, Sachsen in einem hochkomplexen Feld wie der Quantentechnologie als starken Akteur zu etablieren und attraktive Forschungs- und Industrieaufträge in die Region zu holen. Während wir noch diskutieren, sichern sich andere Akteure national und international bereits die entscheidenden Projekte. Deshalb müssen wir proaktiv handeln, Fördermittel und Aufträge gezielt für Sachsen einwerben und gegenüber der Landes- und Bundespolitik deutlich machen, welche strategische Bedeutung Forschung und Innovation für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit, die wirtschaftliche Wertschöpfung und die nachhaltige Schaffung von Arbeitsplätzen in Sachsen haben“.
Etwa im Bereich der Quantenkommunikation oder gerade auch in der Schnittstelle bzw. dem Zusammenspiel zwischen Kooperation und Wettbewerb – eine sog. „Coopetition“ (Cooperation and Competition). Dies bezeichnet eine Strategie, bei der Wettbewerber bewusst zusammenarbeiten, um gemeinsame Ziele wie Innovationen, Kostensenkungen oder Markterschließungen zu erreichen, während sie gleichzeitig in anderen Bereichen konkurrieren. Sie fördert Synergieeffekte, teilt Risiken und ist oft in Branchen mit hoher wechselseitiger Abhängigkeit zu finden, um den Markt zu vergrößern. Gibt es demnach auch mehrere sog. „Coopetitions“ im Freistaat Sachsen zwischen verschiedenen Playern aus Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft, um den Standort Sachsen bzw. den Standort Ostdeutschland gezielt zu stärken?!
„Was fehlt in Ostdeutschland, und das ist aus ökonomischer Sicht ein wichtiger Punkt, auch für die niedrigere Produktivität, sind große Firmen und Firmenzentralen. Das sind diejenigen, die Forschung und Entwicklung machen und Wirtschaftskraft schaffen", sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Nicola Fuchs-Schündeln, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ im Februar 2026. Übergeordnetes Thema der Sendung: die wirtschaftliche und politische Entwicklung Ostdeutschlands: „Wir brauchen eine (gesamt-)deutsche Wirtschaftspolitik, die mehr Visionen, mehr Kraft für Neues und mehr Schwung bringt. Dadurch wird insbesondere Ostdeutschland davon profitieren“, so Fuchs-Schündeln.
Exakt diese fehlende Dynamik wollen die HSZG und das Fraunhofer ENAS in kommende Kooperationen mit einbringen – z. B. in den Bereichen Quantenwissenschaften oder Quantenkommunikation. Nach Abschluss des Dialogtreffens zwischen der HSZG und dem Fraunhofer ENAS wollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Frühjahr 2026 das Momentum nutzen und in einem weiteren Projektreffen die kommenden nötigen Schritte skizzieren. Hier konkret: Konkretisierung der Kooperationspläne, Verzahnung der Projektpläne, Identifizierung der politischen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner und möglicher neuer innovativer Forschungsfelder.
Das Treffen der HSZG mit dem Fraunhofer ENAS zu konkreten Themen wie beispielsweise Quantenwissenschaften passt auch national und international. Die Vereinten Nationen hatten 2025 zum Internationalen Jahr der Quantenwissenschaft und Quantentechnologien ausgerufen. Ferner sind Quantentechnologien eine der sechs Schlüsseltechnologien innerhalb der Hightech-Agenda des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Und hier ist die Hochschule Zittau/Görlitz mit ihren Forschungsprojekten 2026 proaktiv mit dabei. Dies z. B. jüngst im März 2026 in Berlin – in Kooperation mit der sächsischen Landespolitik.
Text: Frank Leberecht
Fotos: HSZG, Leberecht