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08. September 2026

KI, die im Pflegealltag entlastet: GAT, Pflegana und ScaDS.AI bündeln ihre Kompetenzen und entwickeln neue KI-basierte Unterstützungsansätze

Wie kann Künstliche Intelligenz pflegende Angehörige im Alltag sinnvoll unterstützen, ohne professionelle Beratung oder pflegefachliche Entscheidungen zu ersetzen?

Dieser Frage wollen das GAT-Institut – Institut für Gesundheit, Altern, Arbeit und Technik der Hochschule Zittau/Görlitz –, das Startup Pflegana und ScaDS.AI Dresden/Leipzig gemeinsam nachgehen. Die Partner verbinden dafür sozialfachliche Praxisnähe, Erfahrungen aus dem Pflegekontext, nutzerzentrierte Technologieentwicklung und wissenschaftliche KI-Kompetenz.

Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht die Entwicklung und Erprobung einer sozial orientierten Entlastungs-, Navigations- und Unterstützungsmaßnahme für pflegende Angehörige in der häuslichen Pflege. Ziel ist kein technisches Vollsystem und keine medizinische Assistenz. Untersucht werden soll vielmehr, wie KI Angehörige bei der Orientierung in Hilfesystemen, bei der Suche nach passenden Unterstützungsangeboten und bei wiederkehrenden organisatorischen Aufgaben entlasten kann.

Gemeinsamer Ausgangspunkt: Living-Lab-Ansätze, zielgruppenoffene KI-Vermittlung und Vernetzung

Ein gemeinsamer Ausgangspunkt der Zusammenarbeit liegt in offenen Transfer- und Begegnungsformaten, die Menschen unabhängig von Alter, Vorwissen oder institutioneller Zugehörigkeit einen Zugang zu Künstlicher Intelligenz ermöglichen. Sowohl das Living Lab von ScaDS.AI als auch die Aktivitäten des GAT-Instituts verfolgen das Ziel, Technik und insbesondere Künstliche Intelligenz verständlich, anwendungsnah und gesellschaftlich anschlussfähig zu vermitteln. Dazu gehört ausdrücklich auch, Senior:innen über Chancen, Grenzen und konkrete Einsatzmöglichkeiten von KI zu informieren und sie zu einem selbstbestimmten und reflektierten Umgang mit digitalen Technologien zu befähigen.

Das GAT-Institut und ScaDS.AI kamen im Rahmen mehrerer gemeinsam veranstalteter Senior:innenthementage zusammen. Dort wurde deutlich, wie wichtig zielgruppengerechte Formate sind, die technologische Entwicklungen nicht abstrakt erklären, sondern an konkreten Lebenssituationen und gesellschaftlichen Bedarfen ausrichten. Aus diesem Austausch entwickelte sich die gemeinsame Perspektive, Fragen des Alterns, der Pflege und der digitalen Teilhabe stärker mit anwendungsorientierter KI-Kompetenz zu verbinden.

Der Kontakt zwischen Pflegana und ScaDS.AI entstand über das ScaDS.AI Meetup. Das Meetup hat sich als etabliertes Vernetzungsformat entwickelt, das Akteure aus Forschung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und öffentlicher Praxis zusammenbringt. Es ist dabei nicht nur für lokale und regionale, sondern auch für überregionale Partner interessant, die neue Anwendungsideen diskutieren, fachliche Perspektiven verbinden und Kooperationen anstoßen möchten.

Aus diesen Formaten entstand die gemeinsame Perspektive, KI nicht isoliert technologisch zu betrachten, sondern in gesellschaftlich relevanten Kontexten verständlich, partizipativ und verantwortbar zu entwickeln. Daran knüpft die Zusammenarbeit von GAT-Institut, Pflegana und ScaDS.AI im Bereich der Unterstützung pflegender Angehöriger an.

Warum neue Unterstützungsansätze im Pflegealltag nötig sind

Pflegende Angehörige übernehmen einen wesentlichen Teil der häuslichen Versorgung. Neben der eigentlichen Sorgearbeit müssen sie häufig Informationen recherchieren, Zuständigkeiten klären, Anträge vorbereiten, Beratungsangebote finden und zahlreiche organisatorische Aufgaben koordinieren.

Viele bestehende Angebote sind fachlich wertvoll, aber über verschiedene Stellen, Websites und Formate verteilt. Gerade in belastenden Alltagssituationen kann es schwierig sein, relevante Informationen zu finden, einzuordnen und auf die eigene Situation zu übertragen.

KI-Systeme können hier einen zusätzlichen Zugang eröffnen: Sie können Informationen aus unterschiedlichen, geprüften Quellen situationsbezogen aufbereiten, in natürlicher und möglichst verständlicher Sprache kommunizieren und zeitunabhängig zur Verfügung stehen. Der Mehrwert liegt damit nicht allein in der Digitalisierung von Informationen, sondern in ihrer kontextbezogenen, adaptiven und alltagsnahen Vermittlung.

 

Was wir gemeinsam entwickeln und erproben wollen

Die Partner wollen untersuchen, wie eine KI-gestützte Unterstützungsmaßnahme gestaltet sein muss, damit sie für pflegende Angehörige tatsächlich nutzbar, akzeptiert, verantwortbar und an bestehende Hilfesysteme anschlussfähig ist.

Denkbare Anwendungsbereiche sind insbesondere:

  • die Orientierung zu passenden regionalen Unterstützungsangeboten,
  • die verständliche Aufbereitung von Leistungs- und Entlastungsmöglichkeiten,
  • die Strukturierung und Vorbereitung von Beratungsgesprächen,
  • alltagsnahe Hilfen bei wiederkehrenden Organisations- und Dokumentationsaufgaben.

Die konkrete Ausgestaltung soll nicht allein aus technischer Perspektive erfolgen. Geplant ist ein partizipativer Ansatz, bei dem pflegende Angehörige und relevante Praxisakteure ihre Erfahrungen, Bedarfe und Anforderungen systematisch in die Entwicklung einbringen. Auf dieser Grundlage sollen ausgewählte Anwendungsszenarien prototypisch umgesetzt, in realitätsnahen Situationen erprobt und hinsichtlich Nutzen, Verständlichkeit und Praxistauglichkeit wissenschaftlich ausgewertet werden.

Pflegana arbeitet bereits an KI-gestützten Lösungen für Angehörige und Pflegedienste, die administrative Aufgaben wie Informationsaufnahme, Antragsvorbereitung und Koordination erleichtern sollen. Das Unternehmen grenzt sein Angebot ausdrücklich von medizinischer Beratung ab und stellt organisatorische Unterstützung und Orientierung in den Vordergrund.

Unterschiedliche Kompetenzen, ein gemeinsames Ziel

Die Stärke der Zusammenarbeit liegt in den komplementären Perspektiven der drei Partner.

Das GAT-Institut bringt seine sozial- und pflegewissenschaftliche Forschungskompetenz sowie seinen Co-Creation-Ansatz ein, bei dem Betroffene von Beginn an in Forschungs- und Entwicklungsprozesse eingebunden werden. Dazu gehören Erfahrungen in der partizipativen Bedarfserhebung und wissenschaftlichen Begleitung sowie ein enges Netzwerk zu Pflege-, Beratungs- und Unterstützungsstrukturen in der Region. So wird sichergestellt, dass die entwickelten Lösungen an den tatsächlichen Bedarfen pflegender Angehöriger ausgerichtet und an bestehende Versorgungsstrukturen anschlussfähig sind.

Pflegana übernimmt die nutzerzentrierte und technische Perspektive. Dazu gehören Erfahrungen in der Entwicklung KI-gestützter Anwendungen, in der Gestaltung verständlicher Interaktionen und in der Übersetzung konkreter Anforderungen aus dem Pflegealltag in prototypische Lösungen.

ScaDS.AI ergänzt die Zusammenarbeit um wissenschaftliche KI-Kompetenz, methodische Begleitung und Erfahrungen im Transfer zwischen Forschung und gesellschaftlicher Praxis. Das Living Lab von ScaDS.AI schafft hierfür einen nutzerzentrierten Experimentier- und Begegnungsraum, in dem aktuelle Entwicklungen aus KI, Big Data und Data Science erfahrbar gemacht und mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen diskutiert werden.

Gemeinsam wollen die Partner nicht nur einen Prototyp entwickeln, denn ebenso wichtig sind übertragbare Erkenntnisse: Welche Unterstützung benötigen pflegende Angehörige tatsächlich? Wo bietet KI gegenüber statischen Informationsangeboten einen erkennbaren Mehrwert? Welche Anforderungen bestehen an Verständlichkeit, Vertrauen, Datenschutz und Verantwortbarkeit? Und wie können KI-gestützte Angebote bestehende Beratungs- und Unterstützungsstrukturen sinnvoll ergänzen?

Die Zusammenarbeit soll dazu beitragen, diese Fragen praxisnah, partizipativ und wissenschaftlich fundiert zu bearbeiten.

Über das GAT-Institut

Das Institut für Gesundheit, Altern, Arbeit und Technik (GAT) ist ein Forschungsinstitut der Hochschule Zittau/Görlitz, das seit 2016 interdisziplinär zu Fragestellungen im Bereich Gesundheit, Pflege, Altern und Technik forscht. Mission des Instituts ist es, gesellschaftliche Herausforderungen wie den demografischen Wandel und die Digitalisierung im Sinne älterer Menschen, professioneller Pflegekräfte und pflegender Angehöriger zu gestalten, unter anderem durch die Erforschung von Vertrauen, Verständlichkeit und Akzeptanz technischer Assistenzsysteme. Zentral ist dabei der Co-Creation-Ansatz, bei dem der Einsatz technischer Innovationen ausgehend von den Bedürfnissen der jeweiligen Zielgruppen erforscht wird. Im Mittelpunkt steht dabei immer der Mensch und nicht die Technik selbst. Diese Perspektive bringt das GAT-Institut auch in die Zusammenarbeit mit Pflegana und ScaDS.AI ein.

Über Pflegana

Pflegana ist ein 2025 gegründetes Care-Tech-Startup, das einen KI-gestützten Companion für pflegende Angehörige entwickelt. Er soll Angehörige bei organisatorischen und bürokratischen Aufgaben entlasten, etwa bei der Pflegegradbeantragung, der Kommunikation mit Behörden und Pflegediensten sowie bei wiederkehrenden Aufgaben im Pflegealltag. Gegründet wurde Pflegana von Bettina Kleemann (CEO) und Alessio Zachariades (CPO), die Idee entstand aus mehrjähriger eigener Erfahrung als pflegende Angehörige und dem Wunsch nach einer Lösung, die nicht nur informiert, sondern spürbar entlastet.

Über ScaDS.AI Dresden/Leipzig

ScaDS.AI Dresden/Leipzig ist ein nationales Kompetenzzentrum für Data Science, Künstliche Intelligenz und Big Data mit Standorten an der Technischen Universität Dresden und der Universität Leipzig. Das Zentrum verbindet interdisziplinäre Grundlagen- und Anwendungsforschung mit Wissenstransfer, Qualifizierung und dem Austausch mit Wirtschaft und Gesellschaft. Die Living Labs in Dresden und Leipzig schaffen offene Experimentier- und Begegnungsräume, in denen aktuelle KI-Forschung anhand konkreter Anwendungen erfahrbar wird und neue Kooperationen entstehen können.

M.A.
Maria Fabisch
Institut für Gesundheit, Altern, Arbeit und Technik
02826 Görlitz
Parkstraße 2
Gebäude G VII, Raum 317
2.Obergeschoss
+49 3581 374-4996